Organisieren von Inhalten für Websites

“Content is King” hört und liest man allerorts - und wer das behauptet hat natürlich Recht. Immerhin gehts dabei um nichts anderes als um die Essenz einer Weblösung, die Wissensdurst stillt, Entscheidungen erleichtert, Dinge verkauft oder Menschen zusammenbringt.

Nun mache ich dann und wann die Erfahrung, dass bei Website-Projekten gerne tage- und wochenlang über das Design, über CMS-Features oder fragwürdige Methoden zur Suchmaschinen-Optimierung diskutiert wird. Das ist ja auch grundsätzlich auch ganz gut so.
Doch oft geht dann der Fokus auf den eigentlichen Inhalt verloren, der dann irgendwann im Projekt als lästige Pflichtübung auftaucht und schnell abgearbeitet wird…

Grund genug sich dieser Sache etwas näher zu widmen und ein paar Antworten und Lösungsvorschläge zur Organisation von Inhalten bei Website Projekten zu widmen.

Wozu eine Website?

Bevor man an Inhalte denkt, muss klar sein, was der Zweck der Website ist. Unterschiedliche Websites haben unterschiedliche Ziele bzw. verfolgen mehrere Ziele mit verschiedenen Prioritäten. Also z.B.: kann es darum gehen Leser zu informieren, ein Produkt zu verkaufen, einen Dialog aufzubauen oder die Mitgliederzahl einer Website zu erhören. Oder eine Mischung daraus…

Das hat ganz entscheidenden Einfluss darauf welchen Inhalt man braucht und wie man diesen organisiert.
Die Frage nach den Zielen einer Website hat man sich bestimmt schon mal gestellt, wenn man entschieden hat eine Website zu machen. Es lohnt sich aber, Antworten auf diese Frage nochmal zu vertiefen oder kritisch zu betrachten. Beispiele für derartige Zielsetzungen finden sich hier oder auch hier.

Wer wird die Website lesen und benutzen?

Wer sind voraussichtlich die Leser der Website? Studenten, Geschäftspartner, potentielle Kunden oder Touristen? Stellen Sie fest, wer mit welcher möglichen Erwartungshaltung auf Ihre Website kommt und versetzen Sie sich in den Standpunkt Ihrer Besucher. Fragen Sie sich, was würde ein Besucher als erster auf der Website tun wollen (z.B.: eine Information suchen, sich anmelden, ein Produkt kaufen, ein Ticket bestellen).

Wenn erstmal geklärt ist, wer künftig die Website besuchen wird, sollte man festlegen, wie Sie mit Ihren Besuchern sprechen wollen. Mit “wie” meine ich die Art und den Tonfall der Sprache, also beispielswiese: seriös, authentisch, sachlich, locker und per-Du, usw.
Und nicht zu vergessen: benötigen Sie evtl. eine mehrsprachige Website?

Welchen Inhalt brauchts?

So - nun sollte feststehen, welche Aufgaben die Website  zu erfüllen hat, welche die Erwartungshaltungen der Besucher sind und wie diese bestenfalls angesprochen werden.

Welche Inhalte braucht es nun um diese Ziele und Erwartungshaltungen zu erfüllen oder zu übertreffen? Machen Sie eine Liste von Themen, Inhalten, Produkten und Fragen die zu diesem Zweck dienlich sind.
Gibt es darüberhinaus Inhalte die im Kontext für den Leser interessant sein könnten (zb.: Tour-Tipps wenn ein Mountain-Bike verkauft wird)? Eventuell lohnt es sich hier mehr zu investieren, wenn man so dem Leser echten Zusatznutzen geben kann.

Inhalt organisieren

Nun gilt es die Fülle an Inhalten zu organisieren. Hierzu bieten sich eine Vielzahl von Methoden und Systematiken die je nach Art der zu erstellenden Site, Grösse des Unternehmens und Zusammensetzung des Webteams Sinn machen.
Eine Methode, die ich gerne einsetze, ist Karten-Sortieren (oder auch “Card Sorting“). Das ist nichts Esoterisches, sondern ein einfacher und interaktiver Weg in einer Gruppe, inhaltliche Zusammenhänge zu erarbeiten.

Während dieses Prozesses ergeben sich Gruppen und inhaltliche Schwerpunkte, die bei einigen (meist kleineren) Projekten zu einer Website Architektur bzw. einem Navigationskonzept führen. Oft ist diese aber auch ein eigener nachgelagerter Schritt, begleitet durch Leute wie mich.

Einige Beispiele zur Klassifizierung von Inhalt:

  • Alphabetisch
    Die einfachste Art zu sortieren, doch nur für ganz bestimmten Content sinnvoll
  • Zielgruppen
    Wenn das Unternehmen unterschiedliche Zielgruppen anspricht, macht es Sinn nach Zielgruppen zu unterscheiden (z.B.: Privat, Business, Non-Profit,.. )
  • Produktgruppen oder Leistungen
    Gern gesehen & gut geeignet für viele Unternehmens-Websites, sofern sich generische, verständliche und gut abgrenzbare Begriffe für die einzelnen Gruppen finden lassen. Die Gefahr besteht allerdings, dass man sich in einem Branche- oder Unternehmensjargon verliert, der von Lesern nicht verstanden oder falsch interpretiert wird.
  • Organisations-Struktur
    Die Kategorisierung nach Abteilungen macht selten Sinn, da es sich hier um internes Vokabular handelt… bestenfalls bei Intranet-Sites o.ä zu empfehlen.
  • Aufgabenstellung oder Lösungsansatz
    Eine interessanter Ansatz, da hier eine Aufgabe bzw. ein Lösungsansatz als Begriff verwendet wird, die typische Situationen oder Handlungen beschreiben die Leser gut abholen. Z.b.: “Konto eröffnen”, “Produkt testen” oder “Jetzt reich werden” sind typische Bezeichnungen.Bei klassischen Unternehmenswebsites sind es aber meist zu viele derartige “Tasks”, weshalb sich ein Einsatz meist nur bei Websites mit einer überschaubaren Anzahl von Aufgaben lohnt (zb.: Produkt-Websites oder Webapplikationen)

Weitere gängige Methoden wären z.B.: Aktualität, Geografie oder auch Format…

Neben dieser Klassifizierung spielt natürlich auch die Priorität eine wichtige Rolle. Wenn Sie einen Online-Shop betreiben, werden wahrscheinlich andere Inhalte Priorität haben, als die Website einer Steuerberatungskanzlei. Stellen Sie also fest, welche Inhalte hohe Priorität geniessen und welche nicht. Bei Inhalten mit niedriger Priorität stellen Sie sich die Frage, ob Sie sie überhaupt brauchen…

Ziel ist ein logischer und konsistenter Aufbau der Inhalte -  dann finden sich User gut  zurecht und kommen schnell an gesuchte Informationen. Erfolgt die Anordnung per Zufall oder hält der Aufbau der Site keine 2 Monate Live-Betrieb stand, weil die inhaltliche Struktur den raschen Änderungen nicht gerecht wird, tritt das Gegenteil ein: frustrierte User und inhaltliches Chaos.

Im weiteren Entstehungsprozess einer Website, insbesondere bei Navigations- und Informationsarchitektur, werden verschiedene Modelle miteinander kombiniert bzw. als alternative Zugangsmöglichkeiten herangezogen - doch hier gehts ja um Inhalte, also weiter zum nächsten Punkt.

Arten von Inhalten

Nach diesem Schritt lassen sich evtl. schon einzelne Arten oder Typen von Inhalten unterscheiden. Eine Website besteht ja nicht nur aus langen statischen Textseiten, sondern kann vielmehr beinhalten, wie zb.:

  • Blogs, News oder Pressemeldungen
    Aktuelle Inhalte mit chronologischer Relevanz
  • Strukturierte Inhalte
    Inhalte, die eine bestimmten Struktur folgen und beispielsweise in Datenbanken abgelegt werden können (wie z.B.: Events, Seminare )
  • Statische Inhalte
    Inhalte, die nicht oft aktualisiert werden (wie z.B.: Impressum, Firmenphilosophie,…)
  • Bilder & Grafiken
    dürfen hier natürlich fehlen. Grundsätzlich ist zwischen Bildern als Gestaltungselement, also z.B.: als Hintergrundgrafik, Header-Bild o.ä und Bildern die im direkten Kontext zum Inhalt stehen, zu unterscheiden. Bildauswahl, Quellen und Verwendung sind aber ein Thema für sich - evtl. mehr dazu einem weiteren Artikel.
  • Videos, Podcasts
  • User-generierter Inhalt
  • etc.

Neu schreiben oder Copy/Paste?

Ab hier stellt sich die Frage welche Inhalte schon da sind und, wenn ja, wie und ob diese überarbeitet werden müssen. Und natürlich offenbaren sich dann auch die neu zu erstellenden Inhalte.

Erfahrungsgemäß reicht es nicht, Texte von Broschüren oder alten Websites zu übernehmen, da

  • diese oft von einem alten in einen neuen Kontext fließen und nicht dazu passen.
  • Neue Inhalte evtl. in einem andern Stil verfasst sind
  • oder auch einfach zu lange sind

Struktur schaffen

Wir wissen nun welche Inhalte wir brauchen, welche schon da sind und evtl. überarbeitet und welche neu erstellt werden müssen. Nun gilt es noch ein paar Rahmenbedingungen und kleinste gemeinsame Nenner festzulegen, wie zum Beispiel:

  • Festlegen von Richtlinien für Inhalte  (z.B.: Sprache & Ton, Werte, evtl. rechtliche Aspekte)
  • Arten von Inhalten (Texte, Bilder, anderen Medien - siehe Abschnitt weiter oben)
  • Metadaten von Inhalten
    Also strukturierte Daten über die Inhalte, die helfen Inhalte zu organisieren, wiederzuverwenden und zu benutzen (zb.: Titel, Zusammenfassung, Schlagwörter) Gleichzeitig können diese Metadaten eine Basis für Suchmaschinen-Optimierung darstellen.
  • Festlegung von Verantwortlichen zur Planung und Erstellung von Inhalten sowie zur künftigen Inhaltspflege

Jetzt kann es losgehen und dieses Gerüst mit Leben gefüllt werden.
Ähnliche oder andere Erfahrungen gemacht? Ich freue mich auf Ihren Input!

Von Andreas Spannbauer am 22.09.2010