Kriterien zur Auswahl eines CMS

Kaum eine Website kommt heute ohne Content Management System (kurz CMS) aus – ein solches erlaubt Website-Betreibern Inhalte einfach, bequem und selbstständig zu verwalten. Als Webagentur arbeiten wir nicht nur tagtäglich mit und an derartigen Systemen, wir testen und evaluieren auch neue Entwicklungen (meist aus dem Open-Source Umfeld) regelmässig um die richtigen Tools für die entsprechenden Anforderungen einsetzen zu können. Einerseits verrichten einige etablierte CMS-Platzhirsche  gute Dienste, andrerseits gibt es immer wieder neue Herausforderer und Entwicklungen, die schneller neue Technologien und Trends aufgreifen als bewährte System und frischen Wind in die Szene bringen. CMS Systeme gibt´s schließich wie Sand am Meer, und die System-Landschaft ist ständig in Bewegung. Grund genug, sich die wichtigsten Kriterien zur Auswahl eines CMS anzusehen.

Kern-Funktion

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Viele Systeme haben aufgrund Ihrer Entstehungsgeschichte einen bestimmten Fokus - beispielsweise kann der Schwerpunkt auf einfachen statischen Seiten, der Verwaltung von Weblogs, Communities, Sites mit Shop-Anbindung, komplexen mehrsprachigen Lösungen uvm. liegen - oder einer Kombination davon. Mit anderen Worten: das perfekte CMS für alle Lebenslagen gibt es nicht. Ein Blick auf die "Kernkompetenzen" eines CMS lohnt sich also.

Verwaltung von Inhalten

Aufgrund der oben beschriebenen Schwerpunkte eines CMS, ergibt sich meist logischerweise der Funktionsumfang sowie die Art und Weise, wie Inhalte verwaltet und strukturiert werden. Es macht einen grossen Unterschied, ob eine Website nur aus einigen statischen Seiten, chronologisch sortierten Artikel, aus strukturierten Inhaltstypen (wie beispielsweise Veranstaltungen, Produkten, etc.) oder einer komplexen Kombination aus diversen Inhaltstypen und -quellen  besteht. Verschiedene Inhaltstypen wollen unterschiedlich behandelt werden - sowohl bei der Eingabe und Verwaltung als auch bei Ausgabe.

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Bringt das CMS der Wahl die notwendigen Bordmittel zur Verwaltung bestimmter Inhaltstypen nicht mit, müssen die entsprechenden Funktionen durch Module, Plugins oder individuelle Weiterentwicklungen hinzugefügt werden.

Technologie

Die Auswahl der Technologie ist ein wenig Geschmacksache oder evtl. auch Bestandteil der IT-Strategie eines Unternehmens. Aber auch hier sei die Wahl mit Bedacht gewählt - ein paar Gedanken dazu:

  • Ist die Technologie solide und ausgereift? Oder eine Neuentwicklung die sich erst behaupten möchte?
  • Gibt es eine breite Entwicklergemeinschaft welche die Technologie unterstützt und die Entwicklung vorantreibt oder handelt es sich um eine Eigenentwicklung eines Unternehmens?
  • Wie "sauber" ist der Code?
  • Finden sich, im Fall des Falles, externe Partner die mit dieser Technologie vertraut sind - idealerweise in meiner Umgebung?
  • Läuft diese Technologie auf meinen Webserver bzw. beim Webhoster meines Vertrauens?

Community & Support

Die Einarbeitungszeit in ein neues System, die Adaption und Anpassung oder auch die Fehlersuche kann zu einem ganz schönen Geduldspiel werden. Wenn etwas nicht läuft, woher bekomme ich Hilfe? Gerade bei Open-Source Produkten ist hier die Frage nach dem Support wesentlich:

  • Wie gross und aktiv ist also die Entwicklergemeinschaft?
  • Welche sind die entsprechenden Plätze im Netz (Foren, Wikis, Blogs, etc.) wo man Hilfe erwarten kann und wie aktiv wird dort kommuniziert?
  • Gibt es notfalls auch professionellen 24/7 Support von Unternehmen?

Flexibilität & Erweiterbarkeit

Unternehmen, deren Produkte und Märkte ändern sich - und natürlich damit auch die Anforderungen an die Website. Reichte es anfangs vielleicht, etwas über das Unternehmen zu sagen und hin und wieder einen News- oder Presseartikel zu veröffentlichen, möchte man heute vielleicht den Produktkatalog im Web darstellen, einen Newsletter integrieren oder den chinesischen Geschäftspartnern eine Version der Website in deren Sprache anbieten. Ich bin ja ein Freund von sanften Weiterentwicklungen statt Website-Relaunches im 2-Jahres Rythmus (siehe auch Artikel "Website überarbeiten oder Relaunch") sofern möglich. Aber natürlich muss hier das CMS mitspielen:

  • Wie ist es grundsätzlich um die Erweiterbarkeit bestellt?
  • Gibt es solide Plugins und Module für typische Anwendungen welche die Erweiterbarkeit erleichtern?
  • Muss bei Erweiterungen der Systemkern modifiziert werden und gefährde ich die Stabilität und Updatefähigkeit des Systems?

Anforderungen vs. Basis-Funktionsumfang

Viele Systeme bringen schon eine beachtliche Liste an Funktionen mit. Wie sehr decken sich diese mit den Anforderungen und ist man evtl. an manchen Stellen bereit sich dem Funktionsumfang unterzuordnen? Erfahrungsberichte, Tests und Demos helfen hier um beispielsweise Funktionen wie

  • Benutzerrollen und Redaktions-Workflows
  • HTML-Editor
  • Mehrsprachigkeit
  • Usability
  • Bilder- und Medienverwaltung
  • Verwaltung von Inhalten
  • Versionierung
  • Suche
  • uvm.

auszuprobieren. Und hier soll weise entschieden werden. Es kann schon mal passieren, dass das CMS 199 Funktionen mitbringt wovon man aber dann nur 3 braucht. Diese funktionieren dann vielleicht nicht so wie erwartet und die Bedienung ist umständlich, da man dauernd die restlichen 196 Funktionen mit sich herumschleppt (also "mit Kanonen auf Spatzen schiessen"). 

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Oder umgekehrt: das System kann gerade noch die Anforderungen abdecken – will man den Funktionsumfang erweitern ist das nicht oder nur mit hohem Aufwand möglich (mit dem Risiko evtl. sogar die Update-Fähigkeit des Systems aufs Spiel zu setzen.) Wichtige Fragestellungen bei der Konzeption der Website können hier teilweise Abhilfe schaffen, wie z.B.:

  • Ist zukünftig eine mehrsprachige Version der Site geplant?
  • Ist mittelfristig die Integration eines Online-Shops geplant?
  • Soll user-generated Content eine Rolle in meiner Web-Strategie spielen?
  • Wieviele Redakteure mit welchen Berechtigungen benötige ich gegebenenfalls?
  • Brauche ich wirklich x oder reicht vielleicht auch y?

Diese Fragen können helfen, viel Zeit und Geld zu sparen.

SEO

Ein kurzer aber wichtiger Abschnitt - die Optimierung für Suchmaschinen. Kann mein System lesbare URLs generieren, sind Seitentitel, Meta-Description o.ä einfach verwaltbar?

Design

Eigentlich eine Selbstverständlichkeit, aber immer noch hört man von Systemen, die das Design mehr oder weniger einschränken. Wichtige Fragen daher:

  • Wie gut und flexibel können Templates integriert werden?
  • Wie arbeitet das System mit Templates (z.B.: über Template-Engine)?

Sicherheit

... darf natürlilch hier nicht fehlen. Hier kann ein Blick in aktuelle Vergleichs-Statistiken helfen (siehe zb.: National Vulnerability Database, Real Story Group oder auch CMS-Matrix). Oder man sieht sich, je nach Anforderung, folgende Aspekte im Detail an:

  • Session Management
  • Speicherung & Verschlüsselung von User-Daten
  • Formular-Verarbeitung
  • Captcha Funktion
  • uvm.

Ein Wort zum Schluss:

Oft erlebe ich, dass der Funktionsumfang eines CMS als einziges Entscheidungs-Kriterium herangezogen wird - dieser ist wichtig aber lange nicht alles. Genauso sind Empfehlungen zwar wunderbar aber immer mit Vorsicht zu geniessen - ein System kann für den einen perfekt passen, der andere wäre aber mit einer kleineren, flexibleren Lösung vielleicht viel besser bedient...

Von Andreas Spannbauer am 06.12.2010