Wie ich leider immer wieder erfahren muss, sind Gratis-Präsentationen in der Kommunikations-Branche hierzulande Gang und Gebe.
Immerhin sei das gerade beim “Webdesign” so üblich, lies ich mich erst neulich aufklären.
Hier einige Annahmen, warum dem so ist:
- Die Macht
Der Auftraggeber fordert unentgeltliche Lösungsansätze um die Kompetenz des Auftraggebers auf die Probe zu stellen. Sollte dieser nicht den Wünschen entsprechen oder nicht mitmachen gibt es ja genügend Auswahlmöglichkeiten. Webagenturen gibt es viele und diese Fülle an Ausweichmöglichkeiten gibt dem Auftraggeber ein gewisse Macht. - Die Unsicherheit
Was sind das für Leute, die mir hier etwas anbieten wollen?
Was bekomme ich und in welcher Qualität?
Die Unsicherheit sich für den richtigen Anbieter zu entscheiden ist gross. Die Angst vor einer falschen Entscheidung kann durch ein kostenlose Arbeitsprobe eventuell gemildert werden.
Beide Gedanken sind natürlich entscheidend bei der Auswahl eines künftigen Webdesign-Lieferanten.
Und in beiden Fällen gehts hier um Vertrauen. Wenn ich es als potentieller Auftragnehmer nicht schaffen kann, eine Form der Vertrauensbildung (z.B: über Referenzen, Erfahrung oder wie auch immer) herzustellen dann soll diese eben durch Gratis-Ideen verdient werden…
Ich denke, dass das der falsche Einstieg in eine langfristige Geschäftsbeziehung ist.
Und ich denke, dass damit langfristig Ideen und Ressourcen (auf beiden Seiten) verschleudert werden, der Markt untergraben wird und der Qualitäts-Standard sinkt.
So sehr ich die oben beschriebenen Beweggründe nachvollziehen kann: der Konzept- und Designprozess ist der wichtigste in einem Website-Projekt und soll somit auch entsprechend bewertet werden.
Aus diesen (und anderen) Gründen lehnen wir Gratis-Präsentation seit jeher entschieden ab.
Wir erstellen individuelle Lösungsansätze für unsere Kunden. Wir vereinbaren ein faires Abschlagshonorar mit unseren Auftraggebern, sollte die Idee nicht den Anforderungen entsprechen.
Alles andere bringt schlechte Qualität, schlechte Stimmung und eine Zermürbung des Markts.
Und weil ich grade beim Thema bin, habe ich auch soeben die Initiative “Gegen Gratis” der Wirtschaftskammer Wien unterstützt - gute Sache!
2 Kommentare zu "Zum Thema Gratis-Präsentationen"
Absolute Zustimmung! Wieso sollte gerade der Konzeptionsteil, der am meisten Know How in sich birgt nichts kosten.
Wenig überraschend, daß meist große Konzerne auf gratis Konzepte beharren und so nebenbei a ein paar kostenlose Konzeptideen kommen - und das zum Nulltarif. Wer hier mitspielt zerstört für andere und sich den eigenen Markt.
Philipp Egger
Hab damit auch schon schlechte Erfahrungen gemacht. Obwohl beim Erstgespräch vereinbart wurde es zu bezahlen, drohte man mir nach ausdrücklich gefordetem “Mini-Konzept” (war nichts anderes als ein Photoshop-Screendesign) nach nicht erteiltem Auftrag und beim Gespräch angekündigter und durchgeführter Rechnungslegung mit dem Rechtsanwalt. Man wolle ja nicht für etwas bezahlen, das man nicht bekommt. Im Endeffekt wurde die Website von einem 17jährigen Kollegen für 25% der Kosten und Elementen aus meinem Design über einen Zeitraum von 14 Monaten(!!!!) online gestellt. Dabei konnte jeder den aktuellen Stand einsehen, weil er immer online war. Uns gegenüber wurde eine dringende Projektumsetzung innerhalb zweier Monate gefordert.
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